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Die Geschichte der Siebenbürger Sachsen

Siebenbürgen

Das Gebiet Siebenbürgen ist der nordwestliche Landesteil des heutigen Rumäniens. Es hat eine Fläche von ca. 56000km² und ist damit etwa ½-mal so groß wie Baden-Württemberg (35800km ²).
Im Osten grenzt es an die Moldau, im Westen an das Banat und die ungarische Tiefebene, im Süden an die Walachei und im Norden an die Bukowina. Die Grenzen im Osten und im Süden werden von den Karpatenbogen gebildet, der Siebenbürgen mit Zentraleuropa verbindet (die Karpaten als Gebirgszug beginnen gleich hinter Wien). Die wichtigsten Flüsse in Siebenbürgen sind der Mieresch und der Somesch (beide Zuflüsse der Theiss) und der Alt, der in die Donau mündet. Ein Drittel der Landesfläche wird von Wäldern bedeckt. Siebenbürgen wird auch Transsilvanien genannt. Das Gebiet wurde über Jahrhunderte hinweg von Ungaren, Rumänen und Deutschen (Siebenbürger Sachsen) bewohnt.

Die Besiedelung mit Deutschen

Im 12. Jahrhundert folgten deutsche Kolonisten aus dem Rhein-Mosel-Gebiet dem Ruf des ungarischen Königs Geisa II. (1141-1161) „zum Schutz der Krone“ und besiedelten in Südsiebenbürgen das Gebiet zwischen Broos und Draas (Altland, mit dem Mittelpunkt Hermannstadt). Das Burzenland (Mittelpunkt Kronstadt) wird später vom Deutschen Ritterorden in der Zeit 1211-1225 beisiedelt (die erste Marienburg des Deutschen Ritterordens stand in Siebenbürgen, danach erst wich dieser nach Ostpreußen aus). Als drittes größeres Siedlungsgebiet der Deutschen entsteht in Nordsiebenbürgen das Nösnerland (Mittelpunkt ist Bistritz), wahrscheinlich zeitgleich mit dem Altland.
Den deutschen Siedlern, die nach Siebenbürgen gezogen waren, hatten der ungarischen König Geisa II. Grundbesitz und Privilegien versprochen und gewährt. Unter diesen waren die persönliche Freiheit und die Freizügigkeit die Wichtigsten. Weitere Privilegien, die dann 1224 in dem „Goldenen Freibrief“ von König Andreas II. bestätigt wurden, waren:

  • Die Siedler durften ihre Richter (Ortsvorsteher) selber wählen,
    die Siedler durften ihre Pfarrer selbst wählen,
    die Nutzung der Wälder und Gewässer, die eigentlich dem König zusteht, wird allen Gemeindemitgliedern zur freien Verfügung überlassen,
    die Kaufleute der Hermannstädter Provinz sind im ganzen Reich frei von Abgaben.
Der Name Siebenbürgen

Der Name Siebenbürgen taucht zuerst in deutschen Heldenliedern des Mittelalters auf und bezieht sich zunächst auf das Gebiet um Hermannstadt in der Zibinsebene. Danach wird er auch für das Verwaltungsgebiet der sogenannten Sieben Stühle (Broos, Mühlbach, Reußmarkt, Leschkirch, Großschenk, Schäßburg und Reps) angewandt und wird allmählich auf das ganze Gebiet ausgedehnt.

Der Name „Siebenbürger Sachsen“

Kommt von der Tatsche, dass die ungarische Hofkanzlei alle deutschen Siedler in ihrem Reich, die unterschiedlicher Herkunft waren, mit „saxones“ bezeichnete (die eigentlichen Sachsen waren die den Ungaren am nächsten wohnenden Deutschen). So entstanden die Begriffe „Siebenbürger Sachsen“ und „Zipser Sachsen“ (in der Slowakei). In Siebenbürgen haben sich die Siedler selbst als „Deutsche“ bezeichnet und ihre Orte z.B. Deutsch-Weißkirch, Deutsch-Kreutz, Deutsch-Zepling benannt.

Die Geschichte der Siebenbürger Sachsen

Die folgenden Jahrhunderte sind gekennzeichnet durch den Kampf um den Erhalt ihrer Privilegien und Rechte sowie durch den Abwehrkampf gegen die Türken (Osmanen). Es ist ihnen gelungen, über Jahrhunderte hinweg (bis 1876) ihre Privilegien dem ungarischen Adel gegenüber zu bewahren. Mit solchen Rechten ausgestattet, hat sich in Siebenbürgen ein blühendes deutsches Gemeinwesen von freien Bauern und Bürgern in ca. 10 Städten und 300 Dörfern entwickelt. Die bekanntesten und wichtigsten Städte sind Hemannstadt, Kronstadt, Mediasch, Schässburg, Mühlbach, Bistritz, Klausenburg. Mit aufkommender Gefahr durch die osmanischen Türken umgaben sich die Städte mit Wehrmauern, Türmen und Basteien, die Dörfer befestigten ihre Kirchen und schufen so Wehrkirchen und Kirchenburgen. Die Kirchenburgen der Siebenbürger Sachsen wurden zum kennzeichnenden Bauelement des deutschen Siebenbürgens. Nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken (1453) wurden die sächsischen Städte und Dörfer zu einem „Schutzschild der ganzen Christenheit“. 1526, nach dem Sieg der Türken über die Ungaren bei Mohacs, wurde Siebenbürgen ein autonomes, tributpflichtiges Fürstentum unter türkischer Oberhoheit. Die Gefahr des Verlustes des privilegierten Rechtstandes führte die sächsischen Bewohner Siebenbürgens zum politischen Zusammenschluss ihrer Siedlungsgemeinschaften. Es setzte ein Prozess ein, der 1486 durch die Entstehung der „Sächsischen Nationsuniversität“ (Universitas saxonum, d.h. die Gesamtheit aller Sachsen in derselben rechtlichen Einheit) seinen Abschluss fand. Durch das Wirken von Johannes Honterus in Kronstadt traten die Siebenbürger Sachsen im 16. Jahrhundert geschlossen zur lutherischen Kirche über. 1547 erschien die von Honterus entworfene „Kirchenordnung aller Deutschen in Siebenbürgen“, die in allen sächsischen Gemeinden Gültigkeit erlangte, 1572 wurde das „Augsburger Bekenntnis“ angenommen. Fortan sprach man in Kirche und Schule deutsch. Glaube und Volkstum waren bei den Siebenbürgern deckungsgleich.
Nach dem Sieg der Habsburger über die Türken gehörte Siebenbürgen in der Zeitspanne 1699-1867 Österreich an und von 1867-1948 dem ungarischen Bereich der Doppelmonarchie. In dieser Zeit widerstanden die Siebenbürger Sachsen dem Magyrisierungdruck erfolgreich, allerdings wurde die Jahrhunderte lange Autonomie, die Nationsuniversität (die eigene Gebietskörperschaft) 1876 aufgelöst. Damit hörten die Siebenbürger Sachsen auf, in Ungaren eine staatstragende Nation zu sein. Die evangelische Kirche der Siebenbürger Sachsen bleib jedoch voll intakt und auch das von ihr getragene deutsche Schulwesen. Die Kirche wurde für das kommende Jahrhundert das alleinige Symbol der Einheit der Siebenbürger Sachsen.
Seit 1918 ist Siebenbürgen Teil Rumäniens. Anfänglich die von den Rumänen in den sogenannten Karlsburger Beschlüssen zugesagten Rechte auf Autonomie wurden nicht eingehalten. Dem Magyarisierungdruck aus Budapest folgte ein Romanisierungsdruck aus Bukarest. Das Gemeinschaftseigentum der Kirche und der sächsischen Städte und Gemeinden wurde größtenteils verstaatlicht. Dadurch entfielen die hauptsächlichen Einnahmequellen für die deutschen Schulen in Rumänien. Dieser Umstand führte zu übermäßig hohen Kirchensteuern um die Schulen halten zu können. Die Weltwirtschaftskrise verschlechterte die wirtschaftliche Lage weiter, sodass auf politischer Ebene eine Annäherung der Führungsebene der Siegenburger Sachsen an den Nationalsozialismus feststellbar war. Im Zweiten Weltkrieg wurden die wehrfähigen Männer aufgrund eines Abkommens zwischen Rumänien und dem Deutschen Reich in die Verbände der Wehrmacht und SS eingezogen. Nach dem Zusammenbruch und der Kapitulation blieben die überleben Kriegsteilnehmer in Deutschland, da ihr Heimatland Rumänien die Waffen gewendet und 1944 dem Reich den Krieg erklärt hatte. Sie konnten nicht nach Siebenbürgen zurückkehren, weil sie zuhause als Kriegsgegner und Feinde behandelt worden wären.
Den Deutschen Rumänen, den Siebenbürger Sachsen und den Banater Schwaben wurden durch die kommunistischen Machthaber eine Schuld am Kriegsgeschehen zugesprochen, sie wurden in eine Art Sippenhaft genommen. Deshalb wurden im Januar 1945 ca. 30000 Siebenbürger Sachsen, arbeitsfähige Männer und Frauen, zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert, wo infolge von Hunger, Kälte und Krankheit ca. 10000 starben. Der Rest kehrte ab 1949 bis 1952 entweder in die Heimat oder in die sowjetische Besatzungszone zurück. In Siebenbürgen wurde den Sachsen für einige Jahre das Wahlrecht aberkannt, ihre Häuser und Höfe wurden enteignet, sie wurden von Minderheitenrechten ausgeschlossen.
Die einsetzende Sozialisierung der Landwirtschaft, der Industrie und des Handels machte die Siebenbürger Sachsen zu besitzlosen Bauern in der LPG und Angestellten in der Industrie. Die Landflucht führte zur Auflösung der traditionellen nachbarschaftlichen Strukturen und zu seelischen Entwurzlungen. Politische Repressalien nach dem Ungarnaufstand verschreckten und verschüchterten die Deutschen, sodass das Verhältnis zum rumänischen Staat zerrüttet wurde und das Vertrauen in eine sichere Zukunft in Rumänien schwand. Der unter Ceausescu einsetzende rumänische Nationalismus (Schaffung einer einheitlichen sozialistischen rumänischen Nation) sowie die schlechten Wirtschaftsverhältnisse taten das Übrige, um den Wunsch der Siebenbürger Sachsen nach Übersiedlung in die Bundesrepublik zu verstärken. Ab Mitte der siebzieger Jahre wurde aus der Familienzusammenführung eine geregelte Aussiedlung, die sich nach der Wende zum Massenexodus entwickelte.
Es sei jedoch betont, dass die in anderen Saaten Osteuropas gleich nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte kollektive Vertreibung der Deutschen, den Siebenbürger Sachsen erspart blieb, dass ihre „Evangelische Kirche A. B.“ fortbestehen durfte und dass es auch in der ganzen Nachkriegszeit vom rumänischen Staat getragen, deutsche Schulen, Zeitungen und Bücherpublikationen sowie deutsche Theater gab. Die Ausbildung deutscher Lehrer und Pfarrer war bis auf kurze Unterbrechung, die ganze Zeit möglich, das typische deutsche Kulturleben konnte sich in gewissen Grenzen entfalten. Zum rumänischen Volk selbst war das Verhältnis der Siebenbürger Sachsen aufgrund des jahrhundertlangen friedlichen Nebeneinanders weitestgehend ungetrübt und von Toleranz und gegenseitigem Verständnis geprägt.
Heute leben in der Bundesrepublik Deutschland ca. 250000 Siebenbürger Sachsen, davon in Baden Württemberg 60000. In Österreich leben ca. 18000, in den Vereinigten Statten ca. 30000, in Kanada ca. 8000 und in Siebenbürgen bzw. Rumänien selbst ca. 16000.

Besondere Leistungen der Siebenbürger Sachsen

Sie haben ihre Stellung als besondere Gruppe in Siebenbürgen über 850 Jahre lang behauptet und sind nicht in anderen Völkern aufgegangen.
Es ist ihnen gelungen, ihre Bräuche und Bürgerliche Freiheit bis in die Neuzeit zu erhalten.
Sie haben die geistige, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung Siebenbürgens und der andren dort lebenden Völker positiv beeinflusst und vorangetrieben, weil sie ständig die Verbindung zu Mittel- und Westeuropa (z.B. Österreich und Deutschland) aufrechterhielten, Z. B. dadurch, dass ihre Akademiker in der Regel in Österreich oder Deutschland studierten.
Sie haben ca. 300 Kirchenburgen geschaffen, von denen viele architektonische Meisterwerke der abendländischen Kunst sind. Die Kirchenburg von Birthälm z. B. steht seit langem auf der Liste der Unesco-Denkmäler.
Der Grundsatz der religiösen Toleranzen wurde in Siebenbürgen vor allen anderen europäischen Ländern durchgesetzt und angewandt.
Sie hatten einen erheblichen Anteil an der Abwehr der Türkengefahr für Westeuropa.
Mit Hermann Oberth haben sie der Menschheit einen der Väter der Weltraumfahrt geschenkt.